2021-02-06 | Das Christliche Menschenbild – Die Liebe

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Papst Franziskus hat mit einem Schreiben vom 8. Dezember 2020 das Jahr bis zum 8. Dezember 2021 als ein Jahr des heiligen Josefs ausgerufen.     
Das Schreiben des Heiligen Vaters hat den Titel PATRIS CORDE – „Mit väterlichem Herzen liebte Josef Jesus, der in allen vier Evangelien der Sohn Josefs genannt wird.“     
Diese Texte zum Christlichen Menschenbild sind ganz dem heiligen Josef gewidmet. Dieser Heilige hat in seinem Leben in besonderer Weise die Tugenden gelebt, die ein christliches Leben kennzeichnen. Dabei war Josef immer ein Mann, der im Verborgenen blieb, also in der zweiten Reihe stand. Josef ist kein Mann der großen Worte, sondern ein Mensch, der gehorsam den Willen Gottes in seinem Dienst in der Familie mit Maria und Jesus verwirklicht hat.

Das christliche Menschenbild                                                     Teil 2

Die christliche Religion ist vor allem eine Religion der Liebe. Alles, was Gott getan hat, ist ein Ausdruck Seiner Liebe. Aus Liebe hat Er die Welt und den Menschen geschaffen. Aus Liebe hat Er uns Seinen Sohn geschenkt. Aus Liebe hat Jesus Christus uns mit Seinem Tod am Kreuz erlöst.

Schon im Alten Testament lesen wir: „Höre Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.“ (Dt 6, 4-5). Und diese Liebe Gottes zu uns Menschen ist der Grund für unsere Liebe zu den Nächsten: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“  (Lev 19, 18).
Jesus zitiert diese beiden Stellen aus dem Alten Testament und Er ergänzt: Größer als diese beiden ist kein anderes Gebot. (Mk 12, 31).

Es reicht also nicht, dass ein Christ fromm ist, regelmäßig zum Gottesdienst kommt und fleißig betet. Seine Liebe zu seinen Nächsten muss sich auch in seinen Taten und seinem täglichen Dienst an den anderen zeigen. Gerne sehen wir auf Heilige der Nächstenliebe: Martin von Tours und Elisabeth von Thüringen, Maximilian Kolbe, Mutter Teresa…
In ihrem Leben befolgten diese Zeugen des Glaubens die Verbindung der Liebe zu Gott und der Liebe zum Nächsten.

Unsere Liebe zu Gott und dem Nächsten ist die angemessene Antort auf die Liebe Gottes zu uns. Gott liebt uns zuerst, Seine Liebe ist grenzenlos und nie wird Gott uns Seine Liebe entziehen. Wenn wir daran glauben, dass Gott uns liebt, dann finden wir darin auch den Grund für unsere Liebe.

Welche Hindernisse erschweren dem Menschen ein Leben aus der Liebe? Vor allem die ungeordnete egoistische Eigenliebe verhindert, dass wir lieben. Manchmal führt diese Eigenliebe zu einer großen Habgier. Dann will ein Mensch immer mehr besitzen und denkt hauptsächlich daran, wie er noch reicher werden kann. Oder der Stolz und die Geltungssucht führen dazu, dass jemand sich selbst für das Maß aller Dinge hält. Die Mitmenschen werden als unterlegen und fehlerhaft eingestuft. Auch ein unmäßiger Konsum, der sich im Essen und Trinken, Kaufen und Verbrauchen zeigt, kann blind machen für das, was mein Nächster braucht. Die ungeordnete egoistische Eigenliebe führt dazu, dass man den Nächsten gebraucht, ausnutzt, ausbeutet und abschiebt.

Aus ganz verschiedenen Gründen können wir in einer bestimmten Situation das Gute und Richtige wählen und uns somit gegen das Böse und Falsche entscheiden. Zunächst kann es sein, dass wir vor einer Strafe Angst haben. Wer mit überhöhter Geschwindigkeit mit dem Auto durch ein Dorf rast, wird empfindlich bestraft, falls man ihn dort blitzt. Einige entscheiden sich für das Gute und Richtige, weil sie sich persönliche Vorteile erhoffen; wer seinem Nachbarn bei einem Möbeltransport hilft, der erwartet diese Hilfe auch in ähnlichen Situationen von seinem Nachbarn. ‚Ich gebe dir etwas, damit du mir etwas gibst.‘
Die christliche Entscheidung für das Gute und das Richtige sollte weder durch die Angst vor der Strafe, noch durch die Erwartung eines persönlichen Vorteils motiviert sein. Der Christ will in seinem Handeln vor allem aus Liebe zu Gott und zum Nächsten aktiv werden. Und obwohl keine Strafe droht und kein persönlicher Gewinn lockt, packt der Christ an, hilft er, dient er aus Liebe seinen Nächsten.

Jesus hat uns im Gleichnis vom Barmherzigen Samariter ein sehr anschauliches Beipiel vorgestellt. Der Samariter hilft dem, der seine Hilfe braucht. Er bezahlt für den, den er nicht kennt. Er sorgt für den, den er vermutlich nie wieder sehen wird.

Auch wenn wir das Vaterunser beten, werden wir erinnert, was zur christlichen Liebe auf jeden Fall gehört:  ‚ …… und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern……“ Christliche Liebe ohne Vergebung ist nicht echt. Wenn jemand uns geschadet hat, uns Böses angetan oder uns belogen, beklaut oder verletzt hat, dann können und wollen wir auf Hass und Vergeltung verzichten. Unsere Antwort ist die Vergebung. Denn Gott vergibt uns auch immer wieder unsere großen und kleinen Sünden und Verfehlungen.
Das Vergeben ist nicht immer leicht, aber wir können darum bitten, dass wir aufrichtig vergeben, dass wir mit unserer Liebe antworten, wenn wir Böses ertragen mussten.
Nur mit Gottes Liebe können wir vergeben. Und genau an diese Liebe Gottes wollen wir immer fest glauben.

Fazit:  „Jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei: am größten unter ihnen ist die Liebe.“ (1 Kor 13,13).


Foto: von eberhard grossgasteiger auf Pixabay