2020-06-11 | Gottheit tief verborgen

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Seit fast 750 Jahren wird an Fronleichnam das Allerheiligste in Prozessionen öffentlich angebetet und zu den Menschen getragen. In diesem Jahr fallen deutschlandweit fast alle Prozessionen aus.
Dies ändert nichts daran, dass der Herr es absolut wert ist, angebetet zu werden! Mit dem heutigen Tag geschieht dies in der Pfarrei St. Marien in Wassenberg seit 2.000 Stunden in ununterbrochener Folge.
Hier ein Bericht darüber, wie es dazu kam:

Liebe Geschwister im Glauben,

gerne möchte ich berichten, wie unser Herr die ewige Anbetung in der Pfarrei St. Marien in Wassenberg geführt und aufgerichtet hat.

Vorweg einige kurze Angaben zu meiner Person: Mein Name ist Andreas Walter, ich bin 56 Jahre alt und seit über 32 Jahren mit meiner Frau Nicole verheiratet. Zusammen haben haben wir einen Sohn (30). Ich bin Steinmetzgeselle und im Grabmalbereich tätig. Wir wohnen in Erkelenz und haben unsere geistige Heimat in Wassenberg, St. Marien, gefunden. Gemeinsam sind wir als Ehepaar dort im Lobpreisdienst aktiv und unterstützen mit unserer Musik z. B. die Herz Mariä-Sühnemesse, die monatliche Barmherzigkeitsstunde, die Nacht der Lichter, Andachten und Nachtanbetungen für Priesterberufungen etc., die wir teilweise auch selbst, immer aber mit Gottes Hilfe, ins Leben gerufen haben.

Zur Eucharistischen Anbetung kann ich sagen, dass in Wassenberg, schon vor 2010, in einigen Kirchen (es gehören 7 Gemeinden zu Wassenberg) vor den Werktagsgottesdiensten Zeiten der Eucharistischen Anbetung angeboten wurden.

Als Pfarrer Thomas Wieners 2010 nach Wassenberg kam und einige Zeit später auch die Leitung der Pfarrei übernommen hatte, wurden diese Zeiten der Anbetung dahingehend erweitert, dass jeweils montags, dienstags, donnerstags und freitags vor den abendlichen Heiligen Messen die Möglichkeit zur eucharistischen Anbetung bestand (30 Minuten bis eineinhalb Stunden).

Als Geschenk zum 60-jährige Priesterjubiläum von Papst Benedikt XVI wurde 2011 eine 60-stündige Anbetung in St. Marien Wassenberg organisiert.

Hierauf folgten mehrere Nachtanbetungstermine für bestimmte Anliegen von Personen in Krisensituationen.

Zum Eucharistischen Kongress in Köln 2013 wurden über die Pfarrei St. Marien Wassenberg Fahrten organisiert, die von vielen Gläubigen der Pfarrei genutzt wurden. Es war eine größere Gruppe beim Vortrag von Pfarrer Bernhard Hesse über die ewige Anbetung in seiner Pfarrei (24/7) anwesend.

Im November 2013 startete dann in der Kapelle der Oberstadt St. Maria-Himmelfahrt Wassenberg, die Eucharistische Anbetung mit 21 Stunden von freitags 4:00 Uhr bis samstags 1:00 Uhr.

Bis März 2020 vollzog sich die Anbetung somit nun wöchentlich mit fest geplanten 28 Stunden bzw. 14-tägig 30 Stunden pro Woche. Ausnahmen bildeten die im Dezember 2017 begonnenen Nachtanbetungen für Priesterberufungen, die sich vom Priesterdonnerstag (20:00 Uhr) bis zur samstägigen Mariä-Sühnemesse (9:00 Uhr) ausstreckten, welche unsere Gemeinde schon seit Oktober 2016 zelebrierte. Hierdurch erweiterten sich unsere Anbetungszeiten auf 37 Stunden mit Beginn jeden Monatsanfangs (Triduum).

Zum 5-jährigen Bestehen (November 2018) der Anbetungsgruppe hatten wir als Pfarrgemeinde Pfarrer Linden aus Ruppichteroth eingeladen, mit der Bitte, Impulse und Anregungen für die Ausweitung auf 24/7 zu geben. Wir kamen aber trotz seiner wichtigen und großartigen Impulse nur selten über unsere 37 Stunden hinaus.

Letztlich war Anfang März 2020 Pfarrer Bernhard Hesse aus Kempten im Allgäu in der Pfarrei St Marien Wassenberg zu Gast, um mit einem Vortrag zum Thema Gründung und Organisation von 24/7- Anbetungen Unterstützung zu leisten.

Die mit ihm geplante Vortragsreihe konnte jedoch auf Grund des Corana-Lockdowns im Kreis Heinsberg nicht mehr zu Ende geführt werden. Von den avisierten drei Vorträgen in den Heiligen Messen ausgewählter Gemeindekirchen blieb uns nur die gerade erwähnte Auftaktveranstaltung in einem Pfarrheim. Unmittelbar danach hatten wir dann, wie fast alle Pfarrgemeinden in Deutschland keine Heilige Messe mit Gemeindebeteiligung mehr.

Aber wir hatten noch unsere bisherige Eucharistische Anbetung.

Ende März 2020 (ab dem 20. 03.2020, um 4:00 Uhr morgens) wurde alles anders.

Um die bisherige Anbetung in der Kapelle in der Oberstadt trotz der Beschränkungen durch die Corona-Pandemie weiter zu ermöglichen, musste die Anzahl der Betenden in der Kapelle auf eine Person begrenzt werden. Da die bestehenden Gebetszeiten oft von mehreren Personen besetzt waren, entstand die Idee, Listen auszulegen und sich abzusprechen, damit jeder, der wollte, auch eine Anbetungsstunde weiterführen konnte, um somit die Zahl der Stunden auszuweiten. Die Idee war, das anstehende Wochenende bis wenigstens Sonntagabend  hierdurch mit Anbetungsstunden zu füllen.

Aber Gott hatte einen anderen, größeren Plan.

Die Anfragen nach Anbetungszeiten nahmen plötzlich so zu, dass wir von Tag zu Tag zum ersten Mal die ganze Woche füllen konnten bis zum Freitagmorgen, also über die Zeit der eigentlichen festen Anbetungszeiten hinaus. Die Tage füllten sich von einem Tag zum anderen und die Anbetungszeiten erweiterten sich.

Seitdem ist die Anbetung ununterbrochen! Seit nun 12 Wochen.

Meine Frau Nicole hat die Aufgabe übernommen, Beter und Zeiten zu koordinieren. Es ist bis heute eine große Herausforderung, jeden Tag die Lücken im Ablauf zu füllen. Die gesamte Absprache wurde bis vor kurzem nur über WhatsApp bzw. Telefon und Mail bewerkstelligt.

Es ist ein unglaubliches Wunder und reine Gnade, dass dieses ununterbrochene Gebet, Tag und Nacht, 24 Stunden / 7 Tage, seit nun mehr 2.000 Stunden ermöglicht wurde.

Bisher sind wir nur 47 Personen, die teilweise täglich für mehrere Stunden vor dem Eucharistischen Herrn beten. Die Woche hat ja 168 Stunden.

Natürlich, es ist eine besondere Zeit. Viele Menschen haben nun mehr Zeit, da viele Termine, Besuche und Reisen nicht stattfinden können. Doch glaube ich, dass auch die Sehnsucht nach der Gegenwart des Herrn größer wurde, da die persönliche Teilnahme an der Heiligen Messe lange nicht möglich war.

Aber von einer solchen Ausweitung der Anbetung hatten wir nicht zu träumen gewagt.

Persönlich kann ich sagen, dass ich jedes Mal reich beschenkt aus der Kapelle komme – auch, oder gerade eben weil ich zu einer für mich scheinbar unmöglichen Zeit, z. B. nachts von 2 – 4 Uhr, die Stunden vor dem Herrn verbringe.

Ich danke Gott für diese Möglichkeit, Ihm so nah zu sein.

Und: Wir danken Gott dafür, dass Er gerade in dieser Zeit uns allen so nah sein will!

Gleichzeitig möchte ich mich herzlich bedanken: erstens bei meiner Frau Nicole, die die Herausforderung der Koordination bis jetzt übernommen hat, zweitens bei allen Betenden, ohne deren großen Einsatz dieses Gnadengeschenk nicht möglich wäre, sowie drittens bei Pfarrer Thomas Wieners, der diese Form der Anbetung sehr schätzt, fördert und ermöglicht.

Einen Ausblick kann ich nicht wagen, da alles allein in Gottes Hand liegt.

Wir können nur versuchen, IHM nicht im Wege zu stehen und SEINE Gnade zu empfangen und weiterzutragen.

Herzliche Grüße und Gottes Segen,
Andreas Walter                                                                     


Wir suchen weitere Mitbeter! Hier gibt es weitere Informationen incl. eines Kalenders mit freien Stunden und der Möglichkeit, sich anzumelden. Herzlich Willkommen!


Fotos: Nicole & Andreas Walter
Gemälde: Adolph Menzel, 1880, Fronleichnamsprozession in Hofgastein, Pinakothek München