Die Luft ist raus? Neuer Wind durch Gemeindeerneuerung im Heiligen Geist

Sr, Dr. Theresia Mende

Unter dem biblischen Leitwort „Nehmt Neuland unter den Pflug! Es ist Zeit, den Herrn zu suchen“ (Hos 10,12) entwickelt das Institut für Neuevangelisierung im Bistum Augsburg  seit 2012 einen neuen Weg missionarischer Pastoral. Er umfasst verschiedene Elemente wie z. B. Glaubenskurse, Alpha- und Betakurse, Eucharistische Anbetung, Lobpreis, Kleingruppen, missionarische Wochen, Jüngerschule, eine missionarische Sakramentenpastoral, die neben den Kindern und Jugendlichen auch die Eltern in den Blick nimmt. Doch bei all den unterschiedlichen Projekten spielen Bibel und Eucharistische Anbetung als der innerste Kern, der alles trägt und belebt, die zentrale Rolle.


Sr. Dr. Theresia Mende OP ist Dominikanerin im Kloster Wettenhausen  und Leiterin des Instituts für Neuevangelisierung im Bistum Augsburg. Sie studierte Theologie und Germanistik in Trier und promovierte im Fach alttestamentliche Exegese. Nach vielen Jahren der Tätigkeit als Lehrerin und Schulleiterin im Edith-Stein-Gymnasium in Speyer wechselte sie 2010 als Referentin in das Geistliche Zentrum Maria Rosenberg im Bistum Speyer und 2015 in das Institut für Neuevangelisierung im Bistum Augsburg.


Workshop am 28.09.2019 in Krefeld

Der Raum war mit 31 Personen (inclusive einem Baby) voll besetzt, als Sr. Theresia mit Begeisterung von ihrer Arbeit am Institut für Neuevangelisierung in Augsburg zu erzählen begann.

Zur Geschichte des Instituts:
Zunächst erklärte sie, dass der damalige Jugendbeauftragte für das Bistum Augsburg, Pfr. und Domvikar Florian Wörner, im Jahr 2012 mit der Aufgabe betraut wurde, sich intensiv der Neuevangelisierung zu widmen. Unter seiner Leitung entstand das Institut für Neuevangelisierung und Gemeindeerneuerung, das inzwischen 10 hauptamtliche Kräfte beschäftigt.
Es sei ein großes Glück für das Institut gewesen – so Sr. Theresia –, dass kurz nach dessen Einrichtung Florian Wörner zum Weihbischof von Augsburg ernannt und geweiht wurde. Damit unterstand das Institut nicht einer Hauptabteilung des bischöfl. Generalvikariates, sondern direkter bischöflicher Weisung, was die freie Entfaltung sehr begünstigte.

Ziel des Instituts:
Es waren nur kleine Ausschnitte aus den reichen Inhalten und Zielsetzungen des Instituts, die Sr. Theresia in Krefeld sehr lebendig mit technischer Unterstützung durch eine bildliche Baustein-Präsentation und aussagekräftige Kurzfilme vorstellte. Es lohnt sich ein vertiefter Blick in die Arbeitsweise und das Angebot des Instituts.
Eine Grundsatzthese ihres Vortrages war die Aussage, daß auch in Zukunft die Gemeinde vor Ort notwendig sein wird als zentrale Stätte, um den rechten Glauben an Jesus Christus zu lernen und zu leben. Niemals wird die Pfarrei durch „Spezialangebote“, die sich an ein bestimmtes Klientel richten (Jugend, Kinder, Senioren, usw.), ersetzt werden können. Es gelte, die Ortspfarrei in ihrer Glaubensverkündigung nach den Erfordernissen der Zeit neu zu formen, damit sie auf alle Menschen zugehen und eine lebendige Christusbeziehung vermitteln könne. Falsch sei es, eine „neue Kirche erfinden“ zu wollen. Wir brauchen „keine neuen Methoden“, sondern einen veränderten Zugang zu den Menschen. Wenn die Begegnung mit Jesus lebendig ist, werden auch neu im Glauben Entfachte darüber nicht schweigen können, sondern ihrerseits die Verkündigung beginnen.

Angebote:
In 12 „Bausteinen“ stellte Sr. Theresia die vielfältigen Angebote vor, die das Institut inzwischen für die Pfarrgemeinden entwickelt und erprobt hat:

1. Baustein und Türöffner für ein vertieftes Glaubensleben in der Pfarrei sei häufig der sog. Neulandkurs – ein Glaubenskurs, der sich vor allem an diejenigen richtet, die in der Gemeinde zwar beheimatet sind, sich aber neue Vitalität im persönlichen Glauben und Beten wünschen. Dieser Einstiegskurs arbeitet mit der Sehnsucht jedes Menschen nach einer innigen Gottesbeziehung. Ein Bericht über den Aufbau des Kurses sollte Schwerpunkt des zweiten Teils ihres Vortrages werden; ihr Workshop war also ein fortführender, kein im 2. Teil wiederholender.

Aufgrund der Kürze der Zeit konnte Sr. Theresia weitere Bausteine im Grunde nur aufzählen und nur wenige Informationen über ihre Ausgestaltung geben. Diese Informationen genügten aber, um die Zuhörer zu überzeugen, daß es für jede Pfarrei in Augsburg – und darüber hinaus – ein passendes Angebot seitens des Institutes gibt.

2. Baustein – nach der Durchführung des Neulandkurses – ist die Etablierung von Kleingruppen in der Pfarrei: Anbetungsgruppen und -zeiten, Lobpreisgruppen, Bibelkreise, Hauskreise o. Ä., je auch nach Wunsch der Interessenten.

3. Baustein sind die klassischen Alphakurse, die aus England kommend inzwischen weltweit angeboten und erprobt werden.

4. Baustein – weil auf Alpha eben Beta folgt – ist der sog. Betakurs, eine Vertiefung zum Alphakurs, der vermehrt auf Glaubenswissen setzt.

5. Baustein: sakramentaler Gewinner I: hier liegen die Schwerpunkte des Institutes in der Sakramentenpastoral für Kommunionkinder und Firmlinge in zusätzlichen Angeboten für Interessierte, die Kommunionvorbereitung in den Pfarreien flankierend, nicht ersetzend.

6. Baustein: Sakramentaler Gewinner II: dieses Element ist ausgerichtet auf die konkrete Mission der Eltern und Paten von Kommunionkindern und Firmlingen (Firmlinge sind in Augsburg im Gegensatz zu den meisten anderen Bistümern häufig erst 10 Jahre alt, weshalb hier die Eltern noch sehr gefragt sind.)

7. „Missionarischer Zündstoff“ ist oft die missionarische Woche, in der unter dem Motto „Besuchen – Begeistern – Beten“ eine große Gruppe an Jugendlichen in der Gemeinde vor Ort an Haustüren klingelt, mit Menschen über Gott ins Gespräch zu kommen versucht und sie konkret zu Veranstaltungen innerhalb der Woche, zu Gottesdienst und Anbetung einlädt. Während einige missionieren, begleitet eine andere Gruppe durch Anbetung deren Tätigkeit – eine äußerst wirksame Verbindung von Aktion und Kontemplation. Die Glaubensfreude der jungen Leute ist ansteckend, sodass sich keiner so leicht entziehen kann.

8. der musikalische Anbeter: Lobpreismusik ist häufig der Wegbereiter für ein neues, vertieftes Glaubensleben, da die leicht singbaren, eingängigen Lieder mit ihren anbetenden Texten ohne Hindernis ins Herz vordringen. Auf die Musik wird im Institut großer Wert gelegt, weil man ihre missionarische Wirkung kennt und sich zu Nutzen macht. So sind am Institut drei Kirchenmusiker beschäftigt, die innerhalb der Arbeit in einer Pfarrei vor Ort die dortigen Musiker an die Hand nehmen und ihnen – wenn nötig – erste Schritte zur Lobpreismusik zeigen.

9. der missionarische Ausbilder: unter dem Titel „Emmausweg“ entsteht zur Zeit ein Kurs, in der man selbst zum Ausbilder wird – also eine Initiative für Fortgeschrittene, die sich für eigene missionarische Arbeit Unterstützung wünschen. Fertiggestellt und im Internet dokumentiert soll der Kurs bis Ende 2020 sein.

10. der anregende Impulsgeber bezeichnet alle Aktivitäten, die das Institut zur Neuevangelisierung selbst anbietet in Form von Studientagen, geistl. Bibelimpulsen, Exerzitien usw. Angebote werden über die Homepage des Institutes beworben.

11. das geistliche Wachstum: hier geht es um ähnliche Angebote wie in Baustein 10, auch um Vorträge und Einkehrtage, die nicht im Institut, sondern in der Pfarrei vor Ort angeboten werden. Dies geht hin bis zu einer Jüngerschule.

12. die vernetzte Kirche: hier wird Gottesdienst gefeiert bei einem Abend der Versöhnung, bei 24 Stunden für den Herrn oder bei Gebetswachen vor dem ausgesetzten Allerheiligsten.

Ein Schwerpunkt des Vortrages von Sr. Theresia war die Erzählung über die Etablierung von Anbetungsnächten im Edith-Stein-Gymnasium in Speyer. Zunächst ohne missionarischen Gedanken und mit wenig Hoffnung auf Resonanz – nach der Devise „… die kommen ja eh nicht …“ – öffneten die Dominikaner-Schwestern eine eigene Nacht der Anbetung auch den Schülerinnen. Sehr überrascht waren sie vom regen Zulauf von 60 Mädchen beim ersten Angebot. War ihr Kommen vielleicht zunächst Neugier, wie es ist, in der Schule übernachten zu dürfen, so nutzten die Schwestern die Chance, die Mädchen näher mit Christus in Kontakt zu bringen.

Dazu diente das Einstudieren von Liedern, das freie Gebet an der Hand der Schwestern, bibl. Katechese und Ruhe und Besinnung in Gegenwart des Herrn vor dem Allerheiligsten, vor allem aber auch ein Beichtangebot nach gegebenen Beichtkatechesen während der Nacht. Der erste Versuch wurde ein solcher Erfolg, dass die Schülerinnen eine Wiederholung wünschten. Schließlich entwickelte sich die Anbetungsnacht zu einem festen Ereignis, das in der Regel viermal im Jahr ca. 200 Schülerinnen mit den Schwestern vor dem Herrn zusammenführte.

Beim Ausprobieren von Wegen entpuppte sich das Rosenkranzgebet als echtes Beruhigungselement für Kinder und Jugendliche. Natürlich durfte auch zwischendurch Sport und Bewegung nicht fehlen, wofür eine Schule beste Voraussetzungen bietet. Die Nacht endete mit dem „Nachtsegen“, den die Priester, die auch die Beichte gehört hatten, jeder Teilnehmerin mit Handauflegung spendeten. Ein Kreis an freiwilligen Helfern organisierte jeweils ein Frühstück für alle am Morgen.

Es dauerte nicht lange und die Schülerinnen wurden selbst sprachfähig. Sie selbst gaben ihren Mitschülerinnen Glaubenszeugnisse und warben um die Teilnahme an den Nächten. So waren mehrere Taufen und Konversionen die schöne Konsequenz der in den Nächten erwachten Sehnsucht nach einer lebendigen Christusbeziehung – „Jesus hat mich gerufen“.

Nach kurzer Kaffeepause und frischer Luft im Workshop-Raum fanden sich die Zuhörer wieder mit Sr. Theresia ein, um dem zweiten Teil ihres Vortrages zu lauschen.
Hierbei ging es schwerpunktmäßig um die Vorstellung des Bausteins 1, den Neulandkurs:
Dieser setzt sich zusammen aus sechs Abenden im Wochenrhythmus, die jeweils den gleichen Aufbau haben. Nach einem Bibelgespräch zu einem festgelegten Thema gehen alle Teilnehmer in die Kirche zu einer Eucharistischen Anbetung. Was durch das Wort Gottes an Gedanken und im Herzen angeregt wurde, wird direkt in meditativer Weise vor den gegenwärtigen Herrn getragen.

Abend 1 behandelt die Bekehrung des Propheten Jona und führt in das persönliche Herzensgebet ein
Abend 2 betrachtet die Wandlung des Beters und Betens anhand bibl. Texte und fördert die Einübung von Stille
Abend 3 beschäftigt sich mit der Versöhnung des Petrus mit dem Herrn. Im Anschluß an diese Bibelarbeit gibt es ein Beichtangebot während der Anbetungszeit
Abend 4 erzählt von Heilungsgeschichten aus der Bibel. Bei der Anbetung gibt es das Element des Gebetes um innere Heilung
Abend 5 stellt das Taufsakrament in den Mittelpunkt. Vorbereitet wird eine Tauferneuerung, ein Sich-bewußt-Werden der schon dort empfangenen Gnaden, zu denen nicht zuletzt der Heilige Geist gehört
Abend 6: am Beispiel Gideons wird über die Sendung jedes einzelnen gesprochen. Die Zeit endet mit der Feier der Heiligen Eucharistie, die Weihbischof Florian Wörner gerne selbst zelebriert. Alle Teilnehmer werden in ihren Alltag entsandt, nicht um zu ernten, sondern um zu säen.
Abend 7 ist ein zusätzliches Angebot, wenn der Wunsch nach Fortsetzung und Intensivierung laut wird, was nach Durchleben des Neulandkurses sehr oft der Fall ist. Viele möchten diese Abende in gleicher Weise fortsetzen. Häufig entstehen Gebetskreise oder Kleingruppen.

Es bedarf zur Teilnahme am Neulandkurs keiner besonderen Voraussetzung; er findet in den Räumlichkeiten bzw. in der Kirche der Ortspfarrei statt. Mit dem Institut wird ein Termin zur Durchführung vereinbart.

Sr. Theresia betonte, dass missionarische Pastoral heißt, Menschen zu Jesus zu führen und immer wieder auf Jesus zu verweisen, weil Er selbst der Missionar ist. Deshalb sei ein Glaubenskurs in Theorie (Bibelarbeit/ Glaubenswissen) und Praxis (Anbetung) die notwendige Form der Gestaltung, denn das eine ist ohne das andere nicht tragfähig. Sehr ans Herz legte sie ihren Zuhörern das Buch von George Weigel Die Erneuerung der Kirche; Tiefgreifende Reform im 21. Jahrhundert
Seiner Grundüberzeugung folgend sagte Sr. Theresia, dass der erneuerte Katholizismus ein zutiefst biblischer und sakramentaler Katholizismus sein wird und sein muss, weil die erfahrbare Gegenwart des Herrn in Wort und Heilshandlung notwendig ist, um Menschen zu Jüngern werden zu lassen. Nur das verheißt Zukunft.

Danach ging die Schwester auf die bekannten Schwierigkeiten bei der Vorbereitung auf die Erste Heilige Kommunion ein. Ihrer Meinung nach sei es geboten, dass sich die deutsche Bischofskonferenz mit dem Thema beschäftige, da es allerorten mehr eine Vorbereitung auf eine Verabschiedung sei. Wissendes Lachen der Zuhörer signalisierte allgemeine Zustimmung.

Um diesem Effekt entgegenzuwirken, bietet das Augsburger Institut an Samstag-Nachmittagen zweistündige Treffen für Eltern und Kinder schon vor der eigentlichen Kommunionvorbereitung, aber auch nach der Erstkommunionfeier an. In getrennten Katechesen werden grundlegende Glaubensinhalte jeweils angemessen bedacht und formuliert. Anschließend gibt es eine Anbetungszeit in der Kirche. Hierbei nimmt ein Katechet oder eine Schwester je zwei Kinder an die Hand und begleitet sie vor das ausgesetzte Allerheiligste. Zunächst betet der Erwachsene frei für die Kinder und ihre Familien. Häufig fangen auch die Kinder an, frei mit Jesus zu sprechen. Dazu werden sie natürlich nicht gezwungen. Stattdessen können sie auch ein in ihrer Katechese auf ein Papierherz geschriebenes, eigenes Gebet bei Christus ablegen mit dem Gedanken: ich schenke Dir mein Herz. Begleitet wird das Beten durch den einfachen Gesang des immer gleichbleibenden Liedrufes: Ich hab dich je und je geliebt.
Das eigene Kind im Gebet zu erleben, berührt die Eltern oft sehr tief. Zum Abschluss des Treffens erhält jede Familie einen gemeinsamen Segen.
Diese Angebote werden monatlich durchgeführt.

Nach ähnlichem Format gibt es auch ein Zugehen auf Firmbewerber: Nach einer Katechese über den Heiligen Geist und Seine Gnaden wird eine schon im Gang sich befindende Anbetung besucht, in der junge Leute ruhige Lobpreismusik machen. Die Firmbewerber können Kerzen vor dem Allerheiligsten abstellen, bei anwesenden Priestern die Beichte ablegen oder den Segen empfangen. Nach dem Empfang der Firmung werden die Neugefirmten gemeinsam mit den Ministranten zu Anbetungsnächten eingeladen.

Eine besondere Form apostolischen Wirkens stellt die Mission mit den Eltern dar: eine Gruppe von Eltern, deren Kind die Erste Heilige Kommunion gerade empfangen hat, besucht Eltern von Kommunionkindern des folgenden Jahrgangs. Zu diesem Zweck gibt es eine eigene Schulung für die missionierenden Eltern. Als Geschenk seitens des Pfarrers bzw. der Pfarrgemeinde an die „Neuen“ wird der Youcat for Kids verschenkt. Das Bistum leistet hier wesentliche finanzielle Unterstützung. Es wird konkret zu einem ersten Elternabend eingeladen, bei dem die eigentliche Erstkommunionvorbereitung besprochen, aber auch der praktische Umgang mit dem Youcat in der Familie vorgestellt wird. Mit diesen Mitteln wird der Glaube auf sehr sinnenfällige Weise weitergegeben, die einfach, aber wirkungsvoll ist, und an der sich jeder mit seinen eigenen Charismen beteiligen kann.

Die Workshop-Zeit verflog viel zu schnell. Noch vieles hätte nachgefragt, ausgetauscht und besprochen werden wollen. Wir hoffen auf ein nächstes Mal – vielleicht bei unserem nächsten Bistumstag.
Christus in die Mitte! bedankt sich sehr herzlich bei Sr. Theresia vom Institut für Neuevangelisierung in Augsburg für ihre inhaltlich so wertvollen Ausführungen und ihre begeisternde Art, den Glauben zu verbreiten und zu leben!

Wir wünschen Ihnen, liebe Schwester Theresia, und dem ganzen Institut Gottes reichen Segen für das weitere Wirken als Jünger des Herrn und als Menschenfischer.