2022-01-24 | Das Band des unversehrten Glaubens

Impuls zur Weltgebetsoktav für die Einheit der Christen

Es ist schnell überlesen, wenn es um die Gottesdienste „Für die Einheit der Christen“ geht.

Man ist dabei gewöhnt, für das Zusammenkommen unter dem einen Hirten zu beten, um die Einheit als von Christus geforderte Grundhaltung in Seiner Gefolgschaft. Und das ist auch das unbestreitbare Grundanliegen der  Weltgebetsoktav.

Sucht man bei der Vorbereitung der Messfeier jedoch gleich die erste von mehreren möglichen Tagesgebeten aus, dann fällt einem eine interessante, oft vernachlässigte Dimension auf, die bei der Suche nach Einheit eine wichtige Rolle spielt.

Die Oration betet darum, dass alle, die durch die eine Taufe geheiligt sind und Christus angehören, von Gott geeint werden „durch das Band des unversehrten Glaubens und der brüderlichen Liebe“.

Um eine Einheit unter den Christen herzustellen und der Sehnsucht nach brüderlicher Einmütigkeit endlich eine Erfüllung zu geben, braucht es zuvor das „Band des unversehrten Glaubens“, also den entscheidenden Inhalt der Einheit.

Die Liturgie lehrt uns also wie so oft, dass der Grund der Spaltung, nämlich die Veränderung des Glaubens – im Umkehrschluss spricht das Gebet ja von möglicher Beschädigung – geheilt werden muss. Erst die Unversehrtheit des Glaubens kann eine Einheit herstellen. Die Sehnsucht nach Gemeinsamkeit allein reicht nicht aus. Sie muss verankert sein, in dem, w a s ich glaube. Und hier fehlt allenthalben die Einheit – zwischen den Konfessionen aber auch innerhalb der einen katholischen und apostolischen Kirche.

Den Weg der Einheit unter Ausklammerung der Inhalte der Überzeugungen und Bekenntnisse zu gehen und dabei nur auf die „eine Taufe“ zu schauen, genügt also nicht. Der Weg wird erst dann ins Ziel gehen, wenn es einen gemeinsamen Navigator gibt. Und das ist der in der „heiligen“ Kirche, die Christus auf das Fundament der Apostel gegründet hat, die Treue zum Bekenntnis des ersten ungeteilten Jahrtausends. 

Im Glauben gibt es eben keine Evolution, allenfalls eine Entfaltung. Die Einheit im Glauben bedarf deswegen des Bandes, von dem das Tagesgebet spricht, damit nicht alles auseinanderfällt oder vom bösen Feind, dem „Durcheinanderwerfer“ verwirrt wird.

Jeder, dem an der Einheit der Christen gelegen ist, sollte sich das klarmachen, bevor womöglich der Eifer um das Zusammensein statt die Einheit, die Spaltung festigt.

Pfr. Dr. Guido Rodheudt


Nun singe Lob, du Christenheit, dem Vater, Sohn und Geist,
der allerorts und allezeit sich gütig uns erweist

der Frieden uns und Freude gibt, den Geist der Heiligkeit,
der uns als Seine Kirche liebt, ihr Einigkeit verleiht.

Er lasse uns Geschwister sein, der Eintracht uns erfreun,
als Seiner Liebe Widerschein die Christenheit erneun.

Du guter Hirt, Herr Jesus Christ, steh Deiner Kirche bei,
dass über allem, was da ist, ein Herr, ein Glaube sei.

Herr, mache uns im Glauben treu und in der Wahrheit frei,
dass unsre Liebe immer neu der Einheit Zeugnis sei

(Georg Thumair)