2022-01-20 | Über Maria – Jesu Mutter und unsere Mutter – zur Einheit finden

Am Dienstag hat die Gebetswoche für die Einheit der Christen begonnen.
Wir möchten Sie in dieser Woche hier begleiten mit Impulsen zum Thema.

Über Maria – Jesu Mutter und unsere Mutter – zur Einheit finden

Sie sollen vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass Du mich gesandt hast. (Joh 17,23)
Diese Worte des Herrn beinhalten ein Herzensanliegen von Jesus. Er teilt es mit Seinem göttlichen Vater. Er spricht diese Sehnsucht als ewiger Hohepriester stellvertretend für uns im persönlichen Gebet zum himmlischen Vater aus. Er weiß, wie wichtig diese Bitte ist, weil Er den Menschen kennt und die Spaltungen vorhersah. Jesus erwartet von Seinen Jüngern, dass wir dieses Anliegen mit Ihm teilen und uns zu eigen machen.

Der jetzige Prälat des Opus Dei, der 3. Nachfolger des heiligen Gründers Josemaría Escrivá, bietet uns eine recht passende Kurzbetrachtung* unter dem Titel Einssein und Getrenntsein an, die ich gerne aufgreifen und dann ergänzen möchte. Es heißt dort:

„Wenn ein Vater und eine Mutter ihre zwei Kinder wie verrückt lieben, freuen sie sich über deren gegenseitige Zuneigung und leiden, wenn sie sehen, dass die beiden diese Zuneigung zueinander nicht haben.

Jesus fragt sie: „Worüber habt ihr auf dem Weg gesprochen? Sie schwiegen, denn sie hatten auf dem Weg miteinander darüber gesprochen, wer der Größte sei“ (Mk 9,33-34). Welche Enttäuschung für Jesus! Trotzdem vertraut Er ihnen die Kirche an, wie Er sie uns anvertraut, die wir ebenso streiten und uneins sind.

Es ist ein kostbares Erbe, welches Eltern ihren Kindern durch das Beispiel ihrer gegenseitigen Liebe hinterlassen. Es wird sich als Kraft erweisen, auch jeglichen Egoismus der Kinder zu überwinden. Ein Fehlen von Liebe und Vergebung unter den Kindern ist eine offene Wunde im Herzen der Eltern.

Die Uneinigkeit auch unter „guten Menschen“ macht deutlich, dass wir nicht so gut sind und dass jede Einheit der beständigen Hilfe Gottes und Seines Schutzes bedarf; man darf sie nicht für selbstverständlich halten. Ohne Einheit fehlt unsere Nächstenliebe und Glaubwürdigkeit. Wenn wir die anderen Menschen lieben, sind wir eine Wonne für Gott und die Gottesmutter. Dieser Gedanke, der einer sehr wesentlichen Wahrheit folgt, sollte uns anspornen, jede lieblose Reaktion jemandem gegenüber – und sei sie noch so gering – wiedergutzumachen.“

Die Eltern können zur Einheit ihrer Kinder beitragen, wenn sie sich gestritten haben und möglicherweise unversöhnlich sind. Es gibt dafür viele Möglichkeiten:

Ein persönliches Gespräch mit den betroffenen Kindern; ein kleiner Familienrat; eine aufmunternde Ermahnung; eine gemeinsame Unternehmung, die wieder miteinander verbindet; das Werben dafür, mit dem anderen Streithahn oder der Streithenne Frieden zu schließen.

Maria ist aller Christen Mutter (und eigentlich als Gottesmutter auch aller Menschen Mutter). Wir sind ihre Kinder. Sie holt uns zusammen und bringt uns näher, bis wir wieder versöhnt sind.

Indem sie sagt: „Was mein Sohn euch sagt, das tut!“ – ihre Worte gegenüber den Hausdienern auf der Hochzeit zu Kana (vgl. Joh 2) – lassen wir unseren Eigensinn, unseren egoistischen Willen, unseren Willen, Recht zu bekommen usw. hinter uns und finden uns zusammen unter dem Willen Gottes. Wenn wir Marias „Mir geschehe nach deinem Wort“ (Lk 1) zu Gott sprechen, können wir unmöglich an unserem Eigenwillen und unserem Durchsetzungsstreben festhalten.

Das Gebet mit Maria zu Jesus und zu Maria um Jesu Willen – Siehe, deine Mutter! (Joh 19,27) führt uns auf den Weg der Einheit, bis wir Christen wieder so miteinander beten und feiern und gemeinsam das Evangelium bezeugen können wie damals die ersten Christen: Die Menge derer, die gläubig geworden waren, war ein Herz und eine Seele. (Apg 4,32)

Wie konnte das möglich werden, diese bestaunenswerte Einheit unter den Christen? Durch den Heiligen Geist und durch Maria, um die sich die ersten Jünger betend versammelt hatten, als sich das Pfingstereignis vollzog (vgl. Apg 1,13-14).

Vielleicht können wir am besten zur Einheit der Christen beitragen, indem wir uns täglich mit Maria versammeln zum Gebet. Das Rosenkranzgebet führt uns alle näher zu Christus. Maria wird gerne unsere Bitte erhören, wenn wir für die getrennten Brüder und Schwestern beten, mit denen wir schon in dem einen Glauben an den Erlöser verbunden sind. Als Mutter aller Gläubigen, als Mutter der Kirche, wird sie ihre Kinder auf ihre Weise wieder zusammenführen in die eine Herde ihres Sohnes.

Dr. Andreas Kuhlmann



Gebet um Einheit

Herr Jesus Christus, beim Letzten Abendmahl hast Du uns eindringlich und zugleich geduldig Dein Herzensanliegen mitgeteilt:
dass wir alle eins sind mit Dir,
dass wir eins sind mit dem Vater, so wie Du mit dem Vater eins bist.
Wenn wir mit Dir eins sind, dann sind wir auch untereinander eins.
Führe Du uns zu dieser Einheit, wir selbst können sie nicht „machen“.
Hilf uns – mit Deinen Augen – unsere Mitmenschen wahrzunehmen;
dann wird unser Blick gütig, barmherzig und liebevoll.
Mit diesem Blick füreinander und aufeinander wird die Einheit untereinander und mit Dir wachsen
und wir werden das Wohlgefallen des Vaters finden. 
Dies erbitten wir auf die Fürsprache der seligsten Jungfrau Maria.
Amen.


* entnommen dem Buch von Fernando Ocáriz: Im Licht des Evangeliums. Kurzbetrachtungen. Fe-Verlag, Kißlegg 2021, S. 170

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