2021-04-03 | hinabgestiegen

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Tiefes Schweigen herrscht heute auf Erden, tiefes Schweigen und Stille.
Tiefes Schweigen, weil der König ruht. Furcht hat die Erde gepackt und sie ist verstummt, weil Gott – im Fleisch – in Schlaf gesunken ist und Menschen aufgeweckt hat, die seit unvordenklicher Zeit schliefen.

Gott ist – als Mensch – gestorben, und die Unterwelt erbebt. Gott ist für kurze Zeit in Schlaf gesunken und hat die in der Welt des Todes auferweckt. Er geht auf der Suche nach dem erstgeschaffenen Menschen wie nach dem verlorenen Schaf.

Besuchen will Er, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes. Er kommt, um den gefangenen Adam und die mitgefangene Eva von ihren Schmerzen zu erlösen, Er, der zugleich ihr Gott und ihr Sohn ist.

Er fasst Adam bei der Hand, hebt ihn auf und spricht: Wach auf, Schläfer, und steh auf von den Toten, und Christus wird dein Licht sein! Ich habe dich nicht geschaffen, damit du im Gefängnis der Unterwelt festgehalten wirst. Steh auf von den Toten! Ich bin das Leben. Steh auf, mein Geschöpf, steh auf, der du nach meinem Abbild geschaffen bist! Erhebe dich, lass uns weggehen von hier! Du bist in mir und ich in dir…

Deinetwegen wurde ich dein Sohn, ich, dein Gott.
Für dich nahm ich, der Herr, deine Knechtsgestalt an.
Für dich kam ich auf die Erde und unter die Erde, ich, der über den Himmeln thront.
Für dich, den Menschen, bin ich ein Mensch geworden…
Du wurdest vom Garten ausgestoßen, ich wurde vom Garten aus überliefert und in einem Garten begraben.

Sieh den Speichel in meinem Gesicht. Deinetwegen ließ ich es geschehen, um dir den Anhauch des Ursprungs wiederzugeben.
Sieh die Backenstreiche, die ich empfing, um deine verkrümmte Gestalt nach meinem Bild wiederherzustellen.
Sieh die Spur der Geißelhiebe auf meinem Rücken, die ich mir gefallen ließ, um deine Sünden zu vernichten, die auf deinem Rücken lasten.
Sieh meine Hände, die mit Nägeln an das Kreuz geheftet waren, deinetwegen: denn du strecktest einst zu deinem Unglück deine Hände aus nach dem Holz.
Ich entschlief am Kreuz, und die Lanze durchbohrte meine Seite, für dich, denn im Paradies fielst du in Schlaf und brachtest aus deiner Seite Eva hervor. Meine Seite heilte den Schmerz deiner Seite. Mein Schlaf wird dich aus dem Schlaf der Totenwelt herausführen…

Steh auf! Des Feindes wegen wurdest du aus dem Paradies gestoßen; ich werde dich wieder einsetzen, nicht ins irdische Paradies, sondern in den Himmel. Ich habe dir den Baum des Lebens verweigert, der nur ein Sinnbild war, jetzt aber bin ich selbst mit dir vereint, ich, der ich das Leben bin…

Das Brautgemacht ist geschmückt, das Festmahl steht bereit, die ewigen Wohnungen sind eingerichtet, alle Schatzkammern sind geöffnet; das Himmelreich ist vorbereitet von Anbeginn.


aus einer Homilie zum Karsamstag, zugeschrieben dem heiligen Epiphanius, Bischof von Salamis, Zypern, 4. Jahrhundert
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