2021-03-13 | Auf den Spuren christlicher Märtyrer im Bistum Aachen

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Vor wenigen Tagen ist der Heilige Vater von seiner Irakreise zurückgekehrt. Vor Beginn der Reise hatte er in einer Videobotschaft daran erinnert, dass die irakische „Märtyrerkirche […] inmitten schwerster Prüfungen Zeugnis für den Glauben an Jesus abgelegt“ hat. Und Papst Franziskus wünschte sich, dass „die vielen, zu vielen Märtyrer […] uns helfen, in der demütigen Kraft der Liebe auszuharren“.

Vor acht Jahrzehnten gab es auch in Deutschland, auch im Bistum Aachen Christen, die unter der NS-Diktatur mutig Zeugnis für ihren Glauben an Christus ablegten und dafür mir ihrem Leben bezahlten. Prälat Prof. Dr. Helmut Moll aus dem Erzbistum Köln hat im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz das deutsche Martyrologium des
20. Jahrhunderts herausgegeben, in dem – inzwischen in der siebten Auflage – fast 1000 Lebensbilder von Frauen und Männern zusammengetragen sind, die durch die Hingabe ihres Lebens Zeugen für Christus geworden sind.

Wir danken Herrn Prälat Prof. Moll dafür, dass er für Christus in die Mitte! einen Artikel über die Märtyrer aus dem Bistum Aachen verfasst hat, den wir bis Ostern in mehreren Teilen veröffentlichen werden.

Erster Teil

Bei vielen sind die Kirche und ihre Zukunft zum Thema geworden. Für ein fruchtbares Gespräch, das aufbaut und dienen will, darf eines nicht aus dem Auge verloren werden. Die Kirche ist kein Verein, der sich selbst definiert, dies in einer Satzung verankert und darüber nach Belieben verfügt. Die Kirche gründet sich in Jesus Christus und setzt sein Werk fort. Papst Benedikt XVI. em. brachte es einmal auf den Punkt. Im Jahr 2010 nach einer Bischofssynode über die Bedeutung des Wortes Gottes schrieb er: „Evangelisieren ist in der Tat die Gnade und eigentliche Berufung der Kirche, ihre tiefste Identität. Sie ist da, um zu evangelisieren.“

Bei der Evangelisierung geht es in erster Linie nicht darum, eine Lehre zu übermitteln, sondern darum, Jesus Christus gegenwärtig zu machen. Im Mittelpunkt der Evangelisierung steht eine Person, es ist die Person des Gottessohnes. Das glaubwürdige Zeugnis von Männern und Frauen, die sogar bereit waren, für ihren Glauben den eigenen Tod zu ertragen, hat eine besondere Kraft. Bei ihnen stand Christus in der Mitte. Die Märtyrer übermitteln keine Lehre, sondern stehen in ihrer Person für die Gegenwart der Person Jesu Christi. Die Märtyrer schenkten ihm ihr Leben. Keine Macht der Welt, selbst die Todesbedrohung lässt sie davon abbringen, ihm treu zu bleiben. Die Märtyrer evangelisieren mit ihrer Person, mit ihrem Leben.

Das 20. Jahrhundert mit seinen großen gottlosen Regimen des Nationalsozialismus und des Kommunismus birgt einen großen Schatz. Papst Johannes Paul II. hatte dieses Erbe entdeckt und der Kirche vor Augen geführt. Er ließ zum Übergang in das dritte Jahrtausend Martyrologien der einzelnen Länder erstellen, damit das Zeugnis derer, die in der Gottlosigkeit an Christus festgehalten hatten, nicht dem Vergessen preisgegeben wurde. Es lohnt sich, das zweibändige deutsche Martyrologium in den Blick zu nehmen.

Sucht man nach den Märtyrern, die mit dem Bistum Aachen in Verbindung stehen, wird man auf eine Reise durch alle Gebiete des Bistums geführt. Aber es ist noch viel mehr! Auf der Reise begegnet man in den Märtyrern Männern und Frauen, Laien und Priestern, Menschen verschiedensten Alters und verschiedenster Berufe. Es sind Lebensgeschichten voller Überraschungen und Wendungen, manches Mal mit Brüchen und doch in einem gleich: Sie sind zu glaubhaften Zeugen Jesu Christi geworden.

Der päpstliche Rat für die Neuevangelisierung veröffentlichte am 23. März 2020 ein Dokument über die Katechese im Prozess der Evangelisierung. Darin heißt es: „Gerade das auch als Jahrhundert des Martyriums bezeichnete 20. Jahrhundert war besonders reich an Zeugen, die es verstanden haben, das Evangelium bis zur höchsten Prüfung der Liebe zu leben. Ihr Glaubenszeugnis verlangt es, in Predigt und Katechese bewahrt und weitergegeben zu werden, um die Jünger Christi in ihrem Wachstum zu nähren.“

Text: Prälat Prof. Dr. Helmut Moll
Foto: Robert Allmann, pixabay

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