2021-01-22 | Das christliche Menschenbild

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Papst Franziskus hat mit einem Schreiben vom 8. Dezember 2020 das Jahr bis zum 8. Dezember 2021 als ein Jahr des heiligen Josefs ausgerufen. Das Schreiben des Hl. Vaters hat den Titel PATRIS CORDE – „Mit väterlichem Herzen liebte Josef Jesus, der in allen vier Evangelien ‚der Sohn Josefs‘ genannt wird.“

Diese Texte zum christlichen Menschenbild sind ganz dem heiligen Josef gewidmet. Dieser Heilige hat in seinem Leben in besonderer Weise die Tugenden gelebt, die ein christliches Leben kennzeichnen. Dabei war Josef immer ein Mann, der im Verborgenen blieb, also in der „zweiten Reihe“ stand. Josef ist kein Mann der großen Worte, sondern ein Mensch, der gehorsam den Willen Gottes in seinem Dienst in der Familie mit Maria und Jesus verwirklicht hat.

In unserer Zeit wird der Mensch sehr oft über das definiert, was er besitzt. Er spricht auch gerne davon: „Mein Auto, mein Haus, mein Boot“. Und auch die nächsten Verwandten werden als Besitz gesehen: „Meine Frau, meine Kinder, meine Enkel“. Der Erfolgreiche ergänzt dann noch: „Meine Arbeitsstelle, mein Einkommen, mein Ansehen, meine Untergebenen“.

Die christliche Sicht des Menschen betont nicht so sehr das Haben und den Besitz, die Macht und den Einfluss. Jesus Christus stellt heraus, dass es vor allem auf das Sein des Menschen ankommt. Ist der Mensch ein guter Mensch, hat er ein großes Herz und ist er liebevoll?

Der Philosoph Josef Pieper beschreibt, wie Gott sich jeden Menschen gedacht hat, nämlich als einen Menschen nach dem Vorbild und der Lehre Jesu Christi.

„Der Christ ist ein Mensch, der – im Glauben – der Wirklichkeit des dreieinigen Gottes inne wird.

Der Christ spannt sich – in der Hoffnung – auf die endgültige Erfüllung seines Wesens im Ewigen Leben.

Der Christ richtet sich – in der göttlichen Tugend der Liebe – mit einer alle natürliche Liebeskraft übersteigenden Bejahung auf Gott und den Mitmenschen.

Der Christ ist klug, das heißt, er lässt sich den Blick für die Wirklichkeit nicht trüben durch das Ja oder Nein des Willens, sondern er macht das Ja oder Nein des Willens abhängig von der Wahrheit der wirklichen Dinge.

Der Christ ist gerecht, das heißt, er vermag in Wahrheit „mit dem andern“ zu leben; er weiß sich als Glied unter Gliedern in der Kirche, im Volk und in aller Gemeinschaft.

Der Christ ist tapfer, das heißt, er ist bereit, für die Wahrheit und für die Verwirklichung der Gerechtigkeit Verwundungen und, wenn es sein muss, den Tod hinzunehmen.

Der Christ hält Maß, das heißt, er lässt es nicht zu, dass sein Habenwollen und sein Genießenwollen zerstörerisch und wesenswidrig wird.“

An diesen Tugenden kann sich jeder orientieren, der das christliche Ziel seines Lebens anstreben möchte. Jesus Christus verheißt uns eine Freude und ein Glück, wie es diese Welt nicht geben kann.

In einigen weiteren Newslettern werden die hier erwähnten göttlichen Tugenden – Glaube, Hoffnung und Liebe – und die Kardinaltugenden – Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung noch näher erläutert. Sie alle sind Merkmale eines christlichen Lebens, das sich ganz auf die Lebensweise einlässt, die Jesus Christus uns allen vorgelebt und gepredigt hat.

Fazit: Immer ist das menschlich richtige Sein wichtiger als das Haben und Besitzen.


Quelle: Josef Pieper: Über das christliche Menschenbild
Foto: Robert Cheaib, Pixabay