2021-01-06 | Über den Johannes-Prolog

Wir grüßen Sie heute ganz herzlich am Festtag Epiphanie (Erscheinung des Herrn).
Mit dem Johannes-Prolog ist der Beginn des Evangeliums Jeus Christi nach dem Evangelisten Johannes gemeint. Zur Identität des Evangelisten schreiben die Bibelübersetzer Hamp, Stenzel und Kürzinger:

Verfasser ist nach allgemeiner Überlieferung, die sich auch durch das Selbstzeugnis des Evangelisten (vgl. Joh 21,24) ergänzen lässt, der Zebedäussohn Johannes, der als einer der ersten Jünger zu den führenden Aposteln gehörte. Nach der gut begründeten Tradition verfasste er hochbetagt gegen Ende seines Lebens, wahrscheinlich zwischen 90 – 100 n. Chr., in Ephesus in Kleinasien die Aufzeichnungen zum Evangelium, das dann wohl von seinen Schülern herausgegeben wurde. Das früheste Zeugnis für die Existenz und Ansehen des Evangeliums, zugleich die älteste bekannte Handschrift zum Neuen Testament, ist ein in Ägypten gefundenes Fragment aus einem um 120 – 130 n. Chr. geschriebenen Papyruskodex, das in Manchester (GB) aufbewahrt ist.

Hamp, Stenzel und Kürzinger: Die Heilige Schrift, Imprimatur 1962, Pattloch Verlag, 1984

In Wikipedia lesen wir dazu:

Das Johannesevangelium beginnt nicht mit der Geburt, Kindheit oder Taufe Jesu, sondern mit einem tiefgründigen Prolog in der Form eines strophischen Liedes (1,1–18 EU):

Im Anfang (ἀρχή) war das Wort (λόγος) und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. (…)

Joh 1

Der Prolog erhält einen starken Sprachrhythmus, indem er jeden neuen Begriff im jeweiligen Folgesatz aufgreift, weiterführt und in jeder Strophe einen neuen Gedanken durchführt. Seine Begriffe und Form beziehen sich auf den ersten Schöpfungsbericht der Tora (GenEU), der ähnlich beginnt („Am Anfang …“) und Gottes Hinwendung zur Welt als ein ordnendes Handeln beschreibt. So wie dieses Handeln auf das Erschaffen des Menschen als Gottes Ebenbild zuläuft, so läuft im Johannesprolog alles auf die Menschwerdung des Wortes zu, durch das Gott alles gemacht hat. Der Prolog legt also das Kommen Jesu Christi als Fleischwerdung des ewigen Wortes aus, das von Anfang an Gottes Wille war und Seine Schöpfung vollendet.

Der Johannesprolog wurde übrigens seit dem Missale Romanum von Papst Paul V (1504 – 1572) in jeder Hl. Messe nach dem Schlusssegen verlesen; wie auch heute noch im Tridentinischen Ritus.

Pastor Thomas Wieners, Pfarrer der Pfarre St. Marien, Wassenberg, hat sich jüngst in einer Video-Quadrologie diesen besonderen Teil des Neuen Testamentes betrachtet. Er beginnt mit der Identität des Autors der Perikope und kommt ausgehend von dieser u. a. auch auf die Themen Schöpfung und Identität Gottes. Aber schauen Sie sich die Quadrologie am besten selbst an:

erster Teil: youtu.be/cTYkb3YJJzA
zweiter Teil: youtu.be/85iQuBa7xlo
dritter Teil: youtu.be/48oc_MeuwaE
vierter Teil: youtu.be/9E2SkjDx1QU

Titelfoto: A.Vogg, Evangeliar-Deckel mit den 4 Evangelisten, Domschatzkammer Aachen