2020-12-25 | Heute ist euch der Retter geboren

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Lk 2, 1-14

Viele Worte kann man nicht machen in der Heiligen Nacht. Aber nicht nur die derzeitigen Vorschriften, Gottesdienste möglichst rasch und zügig abzuwickeln, sind schuld an diesem Umstand. Denn es ist nicht viel zu sagen. Denn: es ist alles gesagt!

Es gibt nur ein Wort, das in dieser Nacht zählt, und das ist das Wort, von dem wir hören, dass es das Wort ist, das von Ewigkeit her war, das die Schöpfung ins Werk gerufen hat, einschließlich jedes einzelnen Menschen, das Wort, das Mensch geworden ist. Die Schöpfung staunt über den Eintritt des Schöpfers in die Welt. Er schaut nicht länger zu, Er betritt die Bühne.

Gott, der das ewige, schaffende Wort ist, kommt uns entgegen auf dem Weg zum Ziel. Er sitzt nicht auf den Thron des Prüfers, der sich am Ende die Unterlagen anschaut, um zu entscheiden, ob wir es geschafft haben. Er will schon vorher bei uns sein. Jetzt. Heute. Hier.

Die Feier der Heiligen Nacht ist kein Krippenspiel, das von etwas erzählt, was war. Die Heilige Nacht ist eine heilige Nacht, weil unser Gott, verborgen unter den Formen der liturgischen und sakramentalen Handlungen, jetzt das Wunder von Betlehem an uns vollzieht. Und wir sind keine Krippenfiguren, verkleidet als Darsteller eines verschollenen Mythos. Wir sind jetzt dabei, wenn Er Seine Menschwerdung für uns kraftvolle Gegenwart – religiös gesprochen – gnadenvoll werden lässt.

Das, was jetzt hier geschieht und was nicht abgesagt wurde, ist nicht der Folklorezirkus christlicher Restbestände in unserem Land. Es ist eine heilende, Segen spendende und die Seelen mit Ewigkeit anfüllende Angelegenheit. Deswegen sind wir froh, dass es möglich ist. Denn von hier kommt das Heil, das von der Krankheit der Verlorenheit rettet. Hier, wo Gottes Sohn unter uns als Mensch gegenwärtig ist, liegt die Rettung. Und sie ist gültig und heilend auch wo der Impfstoff versagt und die Krise sich auftürmt. Weil das Kind allen Menschen guten Willens, die an es glauben, die Nacht der Welt hell macht, voller Hoffnung und Musik und Zusammensein – selbst da, wo uns die Stimme zu singen versagt ist und die Umarmungen und die Sprache des menschlichen Antlitzes. Da enthüllt Gott Sein Gesicht, überwindet den Abstand und umfängt jeden von uns mit Liebe. Und haucht uns – uninfizierbar – ins Ohr: Heute ist Euch der Retter geboren, es ist Christus, der Herr.

Ich wünsche uns allen das Gottvertrauen, das Weihnachten schenkt, und das diese Welt immer schon nötig hatte um sich selbst zu überleben.



Großer Gott,
richte unseren Blick
auf das Kind in der Krippe
und lehre uns,
Deine Herrlichkeit
in Seiner Armut zu sehen.
Reihe uns ein
in den Zug der Generationen,
die sich aufmachen,
Christus zu finden
in Menschengestalt.
Fülle unser Herz
mit den Lobgesängen
der Heiligen Nacht,
und tauche unser Leben
in Dein gnädiges Licht.

Heiliger Gott,
wie sehr sehnen wir uns
nach einem Ende der Bedrohung,
und dass alle Angst zur Ruhe kommt.
Wie sehr wünschen wir uns,
dass sich heute
diese Sehnsucht erfüllt
und wir ohne Angst miteinander
die Geburt Deines Sohnes feiern können.

Du Gott der Fülle:
in schäbige Armut
wurde Dein Sohn hineingeboren,
bedroht war Sein Leben
von Anfang an.
Was vielen Menschen das Leben schwer macht,
hat Er ausgehalten
um unseretwillen.

Barmherziger Gott,
höre Du alles,
was uns bewegt.
Zeige Dich uns
in Deiner Schönheit
und fülle unser Herz
mit der Gewissheit,
dass Du für uns da bist.

Allmächtiger Gott,
Schöpfer des Himmels und der Erde,
unfassbar ist Deine Erhabenheit,
aber Du begegnest uns
mit menschlichem Antlitz.
Du thronst über allem,
aber machst Dich für uns
angreifbar und verletzlich.
Bleibe uns nahe in Jesus Christus,
Deinem Sohn,
unserem Heiland und Erlöser,
der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert
von Ewigkeit zu Ewigkeit.


Text: G. R.
Gebet: nach Sylvia Bukowski
Foto: Gerd Altmann, Pixabay