2020-11-28 | Kibeho – Maria voll der Gnaden an einem Ort voll der Gnaden

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Was mache ich dieses Jahr so am 28.11.? Mal schauen: der Kalender nennt mir einen Samstag, die Corona-Verordnung beschränkt meine Planung auf meine eigene Wohnung, das Wetter möglicherweise auch. Ich stelle fest, es ist der Vorabend zum ersten Advent – Zeit zum Plätzchen backen und Wohnung dekorieren. Aber da fällt mir noch was ganz anderes ein …

Es begann am 28.11.1981, in einem kleinen Dorf namens Kibeho. Das liegt im Süden Ruandas, dem sogenannten Land der tausend Hügel (wer mal in Ruanda war, wird dieser Bezeichnung sicher zustimmen). In der dortigen Mädchen-Schule, von Ordensschwestern geführt, erschien Maria einer Schülerin – Alphonsine Mumureke. Bis zum 28. November 1989 erschien die Jungfrau auch noch zwei weiteren Schülerinnen, Nathalie Mukamazimpaka und Marie Claire Mukangango, sowie verschiedenen anderen Seherinnen und Sehern, die bisher allerdings noch nicht von der katholischen Kirche anerkannt wurden. Nach anfänglichem Abtun der Erscheinungen durch die anderen Schülerinnen und die Lehrerinnen, wurde im Laufe der folgenden acht Jahre die Botschaft der Muttergottes und die Bedeutung ihrer Worte weiter getragen – durch Ruanda und über die Grenzen hinaus. Viele kamen schon damals zum Glauben an Maria und erkannten Jesus, auf den sie stets verwies, als ihren Herrn, Retter und Erlöser. Und auch heute noch ist Kibeho ein Wallfahrts- und vor allem Gnadenort. Hier finden Menschen zu Gott, hier werden Gebete erhört, es ist ein Ort des Friedens und der Versöhnung, der Hoffnung und des unerschütterlichen Vertrauens!

Die Botschaft der „Mutter des Wortes“, wie sie sich selbst nannte, lässt sich grob zusammenfassen und hat in den letzten 40 Jahren nichts an Bedeutung verloren. Es ist keine einfache oder angenehme Botschaft, aber eine, auf die man hören sollte.

  1. Kehrt um und tut Buße.
  2. Die Welt zerstört sich selbst und hat vor lauter Sünden weder Liebe noch Frieden übrig. Wenn wir nicht umkehren, wird großes Leid über die Menschen kommen.
  3. Maria trauert, dass die Menschen nicht auf Gottes Gebote hören.
  4. Leiden rettet die Welt und unsere Seelen.
  5. Betet mit reinem Herzen und großem Eifer!
  6. Betet den Rosenkranz und den Rosenkranz der sieben Schmerzen
  7. Betet immer für die Kirche!

Die teils düsteren Botschaften von Krieg und Unfrieden wurden auf verschiedene Gräueltaten bezogen – etwa die Massaker von Srebrenica, der Krieg in Jugoslawien und auch der Bürgerkrieg und Völkermord in Ruanda. Im Zuge des Krieges in Ruanda kam es gerade an diesem eigentlichen Gnadenort zu zwei grausamen Massakern mit vielen Toten und viel Leid. Doch bereits ein Jahr später, wurde wieder die Möglichkeit zur Wallfahrt gegeben und so ein wichtiger Schritt Richtung Versöhnung und Frieden gegangen. Heute wird die Erinnerung an den Krieg und die Toten wach gehalten – nicht zur Bestrafung oder Darstellung der Täter, sondern als Mahnung und als Ausgangspunkt für Versöhnung.

Kibeho ist heute nicht nur für Ruanda, sondern auch für viele Pilger aus v.a. Polen, den USA und Kanada ein wichtiger und heiliger Ort. Jährlich pilgern Tausende, vor allem zum 28.11., in den kleinen Ort und suchen in der „Chapel ofapparitions“ (früher der Schlafsaal der ersten Seherinnen) oder in der großen Wallfahrtskirche, sowie an einer wunderbaren Wasserquelle am Fuße des Hügels die Spuren Mariens und eine innige Erfahrung mit der Gottesmutter und ihrem Sohn. Täglich finden hier Gottesdienste statt, in der Kirche wird immer gebetet, Priester hören die Beichte, Chöre singen, Menschen erfahren Barmherzigkeit. Es wurde und wird bis heute viel Versöhnungsarbeit geleistet, ein wichtiger Punkt, nachdem selten ein Krieg die Gesellschaft so stark auseinander gerissen hat wie in Ruanda. Und in der Umgebung des „Sanctuary of Kibeho“ (Heiligtums von Kibeho) gibt es auch noch andere Dinge zu entdecken: Eine Krippe mit lebensgroßen Figuren, eine Statue des barmherzigen Jesus (5 m hoch), Kreuzwege, Rosenkranzwege, Kapellen, Schulen (eine der wenigen Blindenschulen überhaupt), Geschäfte … 

  
Eindrücke aus Kibeo. Links: Tee-Plantagen, Rechts: Krippe mit lebensgroßen Figuren

Meine erste Wallfahrt nach Kibeho, tatsächlich Ende November 2015 zum Fest der Erscheinungen, war bereits ein tolles Erlebnis. Der Weg mit dem Bus führt schon durch eine wunderbar grüne Hügellandschaft mit Tee-Plantagen und Feldern. In Kibeho angekommen erwartete mich der einladende Anblick der großen Kirche mit vielen Menschen aus vielen verschiedenen Ländern schon davor. Überall Rosenkränze, Tücher mit Andachtsbildern, Kanister mit Weihwasser, Priester, Ordensschwestern, Marienstatuen und andere Andachtsgegenstände. Aber auch außen herum Essensverkäufer und Menschen, die die Nacht schon in freudiger Erwartung am Vorplatz der Kirche verbracht hatten. Nachdem wir unsere Sachen bei den uns bekannten Pallottiner-Schwestern untergebracht hatten, ging es auch bald schon los mit dem Gottesdienst. Der große Chor und die Stimmen der Gottesdienstbesucher werden sicherlich bis auf die Nachbarhügel geklungen haben. Eine ergreifende Atmosphäre, voller ansteckender Begeisterung. Und das nicht nur während des Gottesdienstes, sondern auch noch die beiden Tage danach. Und es lohnt sich besonders, in einer ruhigen Minute die „Chapel ofApparitions“ zu besuchen und dort diesem Wunder der Erscheinungen noch ein bisschen näher zu kommen.

Nach diesem ersten Mal bin ich noch drei weitere Male in Kibeho gewesen und jedes Mal hinterher froher und erfüllter heimgekehrt. Es ist einfach ein Gnadenort mit einer ganz besonderen Wirkung für jeden, der voll Demut und mit Liebe zu Maria, unserer guten Mutter, kommt und seine Anliegen vor sie bringt. Sie wartet nur auf uns, ich kann es nur jedem empfehlen!

Um zur Ausgangsfrage zurückzukehren: Am 28.11. werde ich mir die Zeit nehmen, in Erinnerungen an Kibeho zu schwelgen und ganz bewusst in Gemeinschaft mit den Gläubigen in Ruanda und in aller Welt für Frieden und für die Kirche den Rosenkranz der sieben Schmerzen Mariens beten. Bist du dabei?

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Autorin und Fotos: Celina S.