2021-03-17 | Auf den Spuren christlicher Märtyrer im Bistum Aachen

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von Prälat Prof. Helmut Moll, zweiter Teil

Aus Aachen-Burtscheid stammte der Salvatorianerbruder Johannes (Josef) Savelsberg (1913-1939). Er wurde in der ehemaligen Abtei- und heutigen Pfarrkirche St. Johann getauft und trat gleich nach seiner Schulzeit bei den Salvatorianern ein. Seine Ordenszugehörigkeit ersparte ihm nicht die Einberufung zum Militärdienst schon am Beginn des Krieges. Im Zug der Heeresmobilmachung für den Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Polen am 1. Septemaber 1939 wurde der Ordensbruder eingezogen und in der Nähe von Kleve stationiert. Ihn plagten arge Gewissensnöte. „Ich kann nicht auf Menschen schießen!“ sagte er vor Zeugen. Sein Fluchtversuch in die nahe Niederlande misslang. Er wurde vor ein Militärgericht gestellt und zum Tode verurteilt. Eine unwahre Ausrede, die eine Begnadigung erwirkte hätte, lehnte der Ordensmann ab. Bruder Johannes bleib sich und seinem Gewissen treu und wurde am 6. Dezember 1939 standrechtlich erschossen. Sein Grab fand er zunächst auf dem Friedhof der Pfarrkirche St. Vincentius in Till. Nach dem Krieg wurde seine sterblichen Überreste zur Kriegsgräberstätte Donsbrüggen überführt.

Schon im Jahre 1940 wurde Divisionspfarrer Gustav Raab (1905-1943) aus Mönchengladbach zur Wehrmacht einberufen. Nach seiner Priesterweihe waren St. Sebastian in Würselen und St. Remigius in Viersen seine Dienstorte gewesen. Sein Dienst als Militärpfarrer führte ihn bis nach Stalingrad. Hier erlebte er das unfassbare Grauen der Schlacht um die Stadt und das ihr folgende Elend. Es gelang dem Pfarrer, Briefe in seiner Heimat nach Würselen und Viersen zu richten. Erschüttert berichtet er über seine Eindrücke und dankte für die Gebete. Allerdings sah die Gestapo Düsseldorf die Briefe kritisch. Sie würden den „Durchhaltewillen der Zivilbevölkerung“ schwächen. Man bereitete juristische Schritte vor. Diese aber kamen nicht zur Ausführung. Pfarrer Raab wurde am 2. Februar 1943 erschossen. Allerdings fiel er nicht direkten Kriegshandlungen zum Opfer. Russische Posten erkannten Raab als Geistlichen und erschossen ihn und einen evangelischen Mitbruder, als diese sich auf dem Weg zu ihrer Einheit befanden.

Dem Pfarrer Theodor Kniebeler (1909-1944) wurde eine Predigt zum Verhängnis, die er in seiner Pfarrgemeinde St. Godehard in Vorst (Kr. Viersen) während eines „Fronturlaubs“ am 19. April 1942 hielt. In der Predigt kritisierte er Maßnahmen des örtlichen Ortsgruppenleiters der NSDAP und die allgemeinen Schikanen gegenüber den Pfarrgemeinden. Der Wortlaut wurde sofort zu den Akten genommen wurde und führte zu einem Prozess. Man sprach ihm der „Wehrkraftzersetzung“ schuldig. Nach einer neunmonatigen Gefängniszeit in Berlin-Moabit wurde er als Sanitätsgefreiter an die russische Front geschickt. Dort wurde er am 13. März 1944 in der Pflege selber schwer verwundet und starb am 2. April 1944. Sein Leichnam wurde in Sudauen (Ostpreußen) beigesetzt. Sein Andenken wird in Vorst wachgehalten. Die „Kniebelerstr.“ und ein Gedenkstein auf dem Friedhof erinnern an ihn.

Noch vor der Wiedererrichtung des Bistums Aachen im Jahre 1930 wurde Pfarrer Franz Coenen (1885-1939) im Jahre 1909 im Kölner Dom zum Priester geweiht. Seit dem Jahr 1932 war er Pfarrer in Stetternich St. Martin, heute ein Stadtteil von Jülich. Schon früh durchschaute der Geistliche die Widersprüche und gottlosen Anmaßungen der nationalsozialistischen Ideologie. Er hörte nicht auf, in Predigten und bei anderen Gelegenheiten davor zu warnen. Er sah sich als Priester verpflichtet, für das göttliche Recht unerschrocken einzutreten. Pfarrer Coenen hatte unzählige Verhöre, Einbestellungen und Drohungen über sich ergehen zu lassen. Schließlich wurde er seitens der NS-Behörden aus dem Regierungsbezirk Aachen verwiesen. Die ewige Anspannung zermürbte ihn und führte zu einem Tod am 13. Oktober 1939. In Jülich-Stetternich, seinem letzten Dienstort als Pfarrer und in Moitzfeld, einem Stadtteil von Bergisch-Gladbach, dem Ort seines Todes, sind Straßen nach ihm benannt.

Pfarrer Alexander Heinrich Alef (1885-1945) wirkte seit dem Jahr 1930 in Sievernich, heute ein Ortsteil der Gemeinde Vettweiß, im Kreis Düren. Der Pfarrer hatte sich mit zahllosen Anzeigen und Vorladungen bei den NS-Behörden auseinanderzusetzen. Alles, was in seiner alltäglichen Arbeit als katholischer Priester und Pfarrer als Widerstand gegen den langsam erstarkenden Nationalsozialismus auszulegen war, wurde gegen ihn verwendet. Pfarrer Alef aber blieb sich treu. Trotz seiner angegriffenen Gesundheit erfolgte im September 1944 die Überstellung in das KZ Dachau. Den unmenschlichen Lebensbedingungen des Lagers hatte der Pfarrer nichts mehr entgegenzusetzen. Er verstarb am 16. Februar 1945. Ein Grab war ihm nicht gegönnt, sein Leichnam wurde verbrannt.

Foto: Pfr. Franz Coenen & Pfr. Theodor Kniebeler, Privatarchiv Dr. Moll

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