2020-01-27 | „Anbetung verändert Menschen …

… und veränderte Menschen verändern die Welt.“, sagt Pfarrer Bernhard Hesse aus Kempten im Allgäu. Und er muss es wissen, denn er hat Jahrzehnte Erfahrung mit Eucharistischer Anbetung und dem Segen, der aus ihr fließt: zunächst natürlich für die Beter selbst; darüber hinaus aber auch für die ganze Gemeinde, für die Neuevangelisierung und für geistliche Berufungen.

Am 13. Januar war Pfarrer Hesse mit drei Begleitern zu Gast im Selfkant, um von diesen Erfahrungen zu erzählen und die Gemeinde zu ermutigen, ebenfalls eine Anbetung 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche aufzubauen.

Ein kleines Grüppchen vom Christus in die Mitte! –Team war mit dabei und ist nach der Hl. Messe in St. Lambertus im nahegelegenen Jugendheim Höngen eng zusammengerückt mit ca. 80 anderen Interessierten aus der Gemeinde und aus vielen Regionen des Bistums Aachen und darüber hinaus. Mit so viel Andrang hatten die Organisatoren, die alles liebevoll vorbereitet haben, vermutlich gar nicht gerechnet. Es machte aber gleich deutlich: der Wunsch nach Anbetung ist offensichtlich groß – wie sich ja auch schon beim Adoratio-Kongress im November gezeigt hat. (Unser Bericht dazu hier.)

Pfarrer Hesse konnte den gespannten Zuhörern dann auch gleich die taufrische Nachricht weitergeben, dass es dieses Jahr wieder einen Adoratio-Kongress in Altötting geben wird, und zwar vom 20. bis 22. November. Das Vorbereitungsteam des ersten Kongresses sei überwältigt gewesen von der Menge an durchweg positivem Feedback und von vielen Schilderungen tiefer geistlicher Erfahrungen im Rahmen dieser Tage im November 2019 und darüber hinaus. Da sei die Entscheidung leicht gefallen. 🙂

Pfarrer Hesse erzählte dann, wie er am 19.09.1999 in seiner damaligen Pfarrei in Türkheim die Ewige Anbetung gestartet habe. Seit über 20 Jahren beteten dort nun in ununterbrochener Folge Tag und Nacht Menschen den Herrn an, der im Allerheiligsten anwesend ist. Auch in seiner jetzigen Pfarre St. Anton in Kempten gebe es seit über drei Jahren 24/7-Anbetung.

Wichtig sei ihm, dass die ganze Bewegung auf den Wunsch und das Engagement von Laien zurückgehe. Laien hätten ihre Pfarrer gebeten, ihnen die Möglichkeit einzuräumen, Zeit mit Jesus zu verbringen. Vor etwa 50 Jahren hätten so die ersten Pfarreien begonnen. Weltweit gebe es aktuell ca. 2500 Orte Ewiger Anbetung; 500 davon auf den Philippinen, 1100 in den USA und bisher elf in Deutschland. Nummer zwölf sei eine Pfarrei in Mainz, die am 2. Februar starten wolle; Nummer 13 dann vielleicht bald schon im Selfkant… 🙂

Wozu eigentlich Anbetung? Pfarrer Hesse zitierte Papst Franziskus*, dessen Predigt zu Epiphanie dieses Jahr ganz dem Thema Anbetung gewidmet war.
„Wenn wir anbeten, entdecken wir, dass das christliche Leben eine Liebesgeschichte mit Gott ist: Hier reichen einige gute Ideen nicht aus, sondern Ihm muss man den ersten Platz einräumen, so wie es ein Verliebter gegenüber der Person macht, die er liebt. Genau so muss die Kirche sein: eine Anbeterin, die in ihren Bräutigam Jesus verliebt ist.“
„Anbeten heißt, den Herrn ins Zentrum zu stellen, um nicht auf sich selbst fixiert zu bleiben. Es bedeutet, die Dinge recht zu ordnen und dabei Gott den ersten Platz einzuräumen.“
„Wenn wir anbeten, erlauben wir Jesus, uns zu heilen und zu verändern. Durch die Anbetung geben wir dem Herrn die Gelegenheit, uns mit Seiner Liebe zu verwandeln, unser Dunkel zu erhellen, uns in der Schwachheit Kraft und in der Prüfung Mut zu verleihen.“

Warum Anbetung gerade heute ganz besonders wichtig ist, zeigte Pfarrer Hesse anhand einer beklemmenden Statistik. Seit 1965 ist eine lineare Abnahme der Anzahl der Gottesdienstbesucher in Deutschland zu verzeichnen. Jedes Jahr nähmen 100.000 Katholiken weniger an den Sonntagsmessen teil. Aktuell seien es noch ca. 2.000.000 (von ca. 23.000.000 Katholiken insgesamt). Man könne sich leicht ausrechnen, wie lange es dauern wird, bis niemand mehr komme…

Über die Ursachen dieser Entwicklung könne man viel spekulieren. Seiner Meinung nach liege es vor allem daran, dass der Mensch sich an die Stelle Gottes, in den Mittelpunkt, gestellt habe. In der Kirche sei die Haltung „Yes, we can!“, verbreitet. Man erfinde ständig neue Konzepte, um den Trend umzukehren. Dabei gehe es doch um persönliche Umkehr. „Wenn nicht der Herr das Haus baut, mühen sich umsonst, die daran bauen.“ (Psalm 127,1a)

„Gebet ist nicht alles, aber ohne Gebet ist alles nichts.“, zitierte er Johannes Hartl vom Gebetshaus Augsburg. Und den kanadischen Pfarrer James Mallon, der den Erfolg der Divine Renovation seiner Pfarrei ganz schlicht darauf zurückführe, dass er einen „engine room“, einen „Maschinenraum“ habe, nämlich eine Anbetungskapelle.

Gott wolle durch uns die Welt verändern. Es gehe nicht darum, dass wir aus uns selbst heraus etwas planen und machen, sondern dass wir uns Ihm aussetzen und uns Ihm zu Verfügung stellen. „Herr, leite mich. Mach Du mit mir.“

Pfarrer Hesse brachte dazu einen eindrücklichen Vergleich. Er erinnerte daran, dass Jesus den Petrus äußerst scharf zurechtweist, als dieser kurz nach seinem Bekenntnis, dass Jesus der Messias ist (Mt 16,16), den Herrn davon abbringen will, nach Jerusalem zu gehen (Mt 16,22). „Tritt hinter mich, du Satan! Ein Ärgernis bist du mir, denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“ (Mt 16,23)

Es sei wichtig, die Reihenfolge einzuhalten. Jesus müsse vorne sein. Er sage, wo es langgeht, nicht wir. Diese Ordnung drücke sich ganz augenfällig aus in der Eucharistischen Anbetung. Und auch in der Stille bei der Anbetung, die Gott Raum gebe, zu uns zu sprechen.

Eine Freude und Bestätigung sei es ihm, immer wieder miterleben zu können, dass viele Anbeter irgendwann anfingen, sich in der Glaubensweitergabe zu engagieren. Wer Jesus kennengelernt habe und die Beziehung zu Ihm in der Anbetung pflege, wachse im Mut zum Zeugnis. Immer wieder fänden sich so z. B. neue Leiter für Alphakurse, die in der allgemeinen Krise der Glaubensweitergabe in den Familien, Gemeinden und Schulen sehr wertvoll seien.

Im Anschluss an den Vortrag fanden die drei Begleiter von Pfarrer Hesse nochmal sehr bewegende Worte zu ihren Erfahrungen mit der Eucharistischen Anbetung. Einer berichtete z. B. von einer wunderbaren Heilung, ein anderer von einer Familie mit acht Kindern, die nun schon viele Jahre allwöchentlich in einer Nacht von 2 bis 4 Uhr zur Anbetung komme und gemeinsam Lobpreis singe und bete. Ein Sohn sei inzwischen Seminarist, zwei Töchter (angehende) Ordensschwestern. Alle bezeugten, dass Jesus es wert ist, Ihm wenigstens eine Stunde in der Woche zu schenken…

In einer abschließenden Fragerunde ging Pfarrer Hesse noch auf organisatorische Fragen ein. Er empfahl, einen eher kleinen, gut beheizbaren Gebetsraum/ eine Kapelle auszuwählen und den Mut aufzubringen, eine bestehende Anbetung nicht stundenweise auszuweiten, sondern „gleich aufs Ganze zu gehen“. Gut bewährt hätten sich „Predigtsonntage“ an denen in allen Hl. Messen in der Predigt zur Anbetung eingeladen werde und parallel Zettel und Bleistifte ausgeteilt würden, mit denen sich die Gottesdienstbesucher zu einem Ausprobieren verpflichten können. Erfahrungsgemäß würden nur sehr wenige Menschen ihre Gebetszeit aus freien Stücken wieder aufgeben. In vielen wachse die Erkenntnis und die Freude, ein unverzichtbares Glied in einer großen Gebetskette zur Ehre Gottes zu sein, ein „einer für alle“ bei Jesus.

Pfarrer Bohnen wies als Gastgeber in seinen Dankesworten darauf hin, dass der Selfkant die westlichste Gemeinde Deutschlands ist und gemeinsam mit Sylt (Norden), Görlitz (Osten) und Oberstdorf (Süden) Mitglied des „Zipfelbundes“ sei. Er hoffe, dass es irgendwann in allen „Zipfelgemeinden“ 24/7 Anbetung geben wird. Dies wäre für die geistliche Erneuerung in Deutschland sicher ein starkes Zeichen.

Zusammen mit seinen anwesenden Gemeindemitgliedern überlegte Pastor Bohnen, welcher Ort im Selfkant sich für die Einrichtung einer Ewigen Anbetung eignen könnte.
Und auch ein kleines Grüppchen aus dem Raum Aachen hat sich noch gleich vor Ort zusammengefunden und erste Ideen ausgetauscht, wo eine Ewige Anbetung vielleicht auch in Aachen möglich wäre …

Eine sehr schöne neue Möglichkeit zur Anbetung gibt es seit dem 24. Januar in der Kind Jesu Kapelle in Aachen (Jakobstraße 19). Jeweils vom 24. auf den 25. jeden Monats (außer im Dezember) wird zwischen 18:00 Uhr und 6:30 Uhr das Allerheiligste zur Anbetung ausgesetzt. Die Schwestern vom armen Kinde Jesus, denen wie der heiligen Thérèse von Lisieux der 25. März (Verkündigung des Herrn) ganz besonders am Herzen liegt als Tag der Menschwerdung Gottes, an dem das Jesuskind am allerkleinsten ist, laden dazu ein.

Hier können Sie sich per Mail einen Doodle-Link anfordern, über den Sie sich in die Beterliste eintragen können, um verlässlich eine Stunde (oder mehr) zu übernehmen. Sie sind aber auch herzlich eingeladen, einfach so vorbeizukommen und in der Stille Zeit mit Jesus zu verbringen.

Eine sehr empfehlenswerte Katechese von Père Florian Racine und ein Zeugnis von David Craig über die „Früchte der Anbetung“ finden Sie hier.

Da Ausbreitung der Anbetung auch Christus in die Mitte! ein wichtiges Anliegen ist, haben wir es als zentrales Projekt formuliert. Vielleicht klicken Sie mal rein.

Mit frohen Grüßen und im Gebet verbunden,

Ihr Christus in die Mitte! – Team


* Papst Franziskus, Predigt am 06.01.2020


Fotos: Hl. Messe in St. Lambertus, Höngen, am 13.01.2020: R. J. Förster;
Anbetung in der Kind Jesu Kapelle in Aachen: A. Vogg